06. Jul 2026
Die Spitzenverbände der deutschen Getränkewirtschaft protestieren gegen konkrete aktuelle Pläne der Koalition, die Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke bereits auf den 1. Januar 2027 vorzuziehen. Diese Option sieht ein aktueller Änderungsentwurf der Koalition zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vor, das Ende dieser Woche vom Bundestag verabschiedet werden soll.
Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg), der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM), der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF), der Deutsche Brauer-Bund (DBB) sowie der Verband Private Brauereien Deutschland bezeichnen diese Pläne der Koalition als einen „Affront gegen den Mittelstand“. Sollte die umstrittene Steuer tatsächlich bereits in wenigen Wochen eingeführt werden, würde dies unzählige ohnehin stark unter Druck stehende Betriebe vor praktisch unlösbare Herausforderungen stellen, warnen die Verbände.
Kürzlich erst hatten sich bereits mehr als 300 Unternehmen der Getränkewirtschaft in einem gemeinsamen Offenen Brief gegen die Einführung einer Zuckersteuer ausgesprochen und nachdrücklich vor zusätzlichen Belastungen für mittelständische Betriebe und Verbraucher gewarnt. Die nun am Wochenende bekannt gewordenen Pläne für eine völlig überstürzte Einführung verschärfen diese Sorgen aus mehreren Gründen erheblich. Die Getränkewirtschaft sieht konkret fünf zentrale Problemfelder:
Es ist entlarvend, wenn die Koalition nun im Rahmen des GKV-Gesetzentwurfs in Dokumenten vom Wochenende feststellt, es werde „davon ausgegangen, dass das Steueraufkommen bei zuckerhaltigen Getränken im Jahr 2027 650 Mio. Euro beträgt und infolge von Rezep-turanpassungen der Erzeuger ab 2028 auf 450 Mio. Euro jährlich sinkt“. Die Einnahmen für 2027 werden also offensichtlich aufgrund der handstreichartigen Vorgehensweise höher er-wartet als im Folgejahr. Die Politik sieht ganz genau, dass die Unternehmen bei dieser Vorgehensweise nicht mehr reagieren können. Fazit: Gesundheitspolitische Argumente sind allenfalls Fassade – es geht ums Stopfen von Haushaltslöchern.
Die Verbände appellieren daher eindringlich an Bundesregierung und Bundestag, von Plänen für eine überstürzte Einführung der Zuckersteuer abzulassen. Eine Steuer unter den dargelegten Unsicherheiten mit derart weitreichenden Folgen innerhalb nur weniger Wochen umsetzen zu müssen, würde unweigerlich viele Existenzen bedrohen und zu Betriebsaufgaben führen. Für die mittelständisch geprägte Getränkewirtschaft wäre das Vorgehen des Bundes ein Schlag ins Gesicht. Die Betriebe brauchen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Planungssicherheit, Verlässlichkeit und realistische Fristen. Sie brauchen gerade keine überhasteten politischen Entscheidungen mit unabsehbaren Folgen.